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Donnerstag, 5. August 2004

Filmprojekt Ecuador

Vor einem Monat machten sich Teresa und ich ausgerüstet mit einer Filmkamera und einem Fotoapparat auf, um mehr über Entwicklungshilfe und ecuadorianischen Alltag zu erfahren.

ecuador

Dolor y esperanza – ein Land der Kontraste

Ecuador ist ein von der Natur reich beschenktes Land, das
zunehmend verarmt. Als größter Bananenexporteur der Welt hat
sie mit den niedrigen Weltmarktpreisen und der
wirtschaftlichen Abhängigkeit von ihren Rohstoffen zu kämpfen.
Die ausgesprochen hohe Staatsverschuldung zerfrisst das
schwächliche Land und die Verteilung des ohnehin geringen
Wohlstands ist skandalös ungerecht. Ein Großteil des
Amazonas-Regenwaldes von Ecuador ist durch die bevorstehende
Inbetriebnahme der neuen WestLB-Pipeline bedroht. Probleme
über Probleme... all das wussten wir auch schon vor der Reise.
Aber im Land stellten wir fest, dass Ecuador so viel mehr ist
als seine bekanntesten Insignien: Korruption, Armut,
Kriminalität.

Ecuador weist auf einer so kleinen Fläche eine enorme
landschaftliche Vielfalt auf: das westliche Küstentiefland
(Costa), das zentrale Andenhochland (Sierra) und das östliche
Tiefland (Oriente).

Mitten im Dschungel

Hier im Oriente in der Provinz Zamora-Chinchipe begann
unsere Reise quer durch das Land, von dessen üppiger
Vegetation wir sofort wie angetan waren: von Nebel bedeckte
Regenwälder. Um einen Überblick über die katholische
Entwicklungshilfe zu bekommen, verbrachten wir zehn Tage auf
der Missionsstätte in Guadalupe beim Schoppenauer Missionar
Georg Nigsch. Die Probleme auf dem Land sind die
Arbeitslosigkeit, die materielle Armut, der Alkoholismus, die
fehlende Bildung sowie das mangelnde Gesundheitswesen. In der
Mission ist man bemüht diese Probleme abzuschwächen. So
versorgt in der Missionsklinik ein internationales Ärzteteam
auf einer non-profit-Basis die Kranken.

„Im Dschungel“ lebten wir uns recht schnell ein und passten
uns sogar an die für die Europäer so unübliche „Kultur des
Sichverspätens“ an. Wir lernten auch, dass im Auto das
Sicherheitsgurt keine Bedeutung hat, aber die Hupe dafür das
wichtigste Instrument darstellt. Dass die Straßen aufgrund von
Erdrutschen oft unpassierbar blieben, erachteten wir schon
bald als normal. Bepackt mit einer Kamera begleiteten wir die
Ärzte/-innen, Georg und die Schwestern durch ihren Alltag.
Besonders gut gefiel es uns aber mit den Schwestern durch die
umliegenden Dörfer zu ziehen. Denn mit Gummistiefeln durch den
Matsch zu waten und bis zu den Knöcheln im Morast zu versinken
machte uns großen Spaß. Auch fanden wir es beeindruckend
plötzlich in einem Feld umgeben von Ananas Pflanzen,
Bananenstauden und Kakaobäumen zu stehen.

In den Dörfern wurden wir von der Bevölkerung herzlichst
empfangen. Während wir bei den etwas zurückhaltenden
Erwachsenen mühevoll um Erlaubnis für Fotos bitten mussten,
wurden wir von posierenden Kindern umzingelt, die eifrig
schrieen: „otra vez, otra vez!“ (noch einmal).

Cuenca

Nach Überwinden von etlichen Höhenmetern kamen wir im
Kolonialstädtchen Cuenca an und mussten schon gleich
Winterjacke und Kappe herauskramen. Dort befassten wir uns mit
den Projekten der Pastoral Social, einer ecuadorianischen
Hilfsorganisation, deren Projekte von der Caritas Vorarlberg
finanziell unterstützt werden. Die Projekte der Pastoral
Social sind sehr vielfältig: Projekte für Waisenkinder,
Projekte in den Dörfern, die durch die Errichtung von
Solaranlagen, Lehmöfen und Wassertanks deren Infrastruktur
verbessern und somit die Landflucht verhindern sollen. Ein
anderes Projekt versucht durch verschiedenste Kurse den
Prostituierten zu helfen sich in die Gesellschaft zu
reintegrieren. Wir lernten viele Zivildiener und Freiwillige
aus Vorarlberg und Deutschland kennen, die uns die Projekte
genauer vorstellten. So kam es auch, dass wir uns ins
Rotlicht-Milieu von Cuenca begaben und schockiert
feststellten, welch ein erbärmliches Leben die Prostituierten
zu führen „gezwungen“ sind.

Auch begleiteten wir den Feldkircher Zivildiener Marco in
eine „communidad“, wo er die kürzlich installierten
Solaranlagen überprüfte. Unterwegs kamen wir an der
atemberaubenden Landschaft des Nationalparks Cajas vorbei und
an kleinen Dörfern, deren Hauswände mit strahlenden Gesichtern
von Politikern plakatiert waren, die der Bevölkerung eine
bessere Zukunft versprechen. Mit mulmigem Gefühl im Magen sind
wir an den Kreuzen vorbeigefahren, die tödliche Unfälle
entlang der Strecke markieren – wir haben die Fahrt überlebt,
sowie die eiskalten Duschen in Cuenca.

Quer durchs Land

In unserer letzten Woche beschlossen wir das Land auf
Eigeninitiative zu erkunden und machten uns beladen mit den
schweren Rucksäcken auf den Weg. In der Hauptstadt Quito,
begegneten wir Menschen, die sich zu Hunderten vor der
spanischen Botschaft drängten, um für sie das Bleiberecht in
Spanien zu erwirken – ein ungewöhnlicher Anblick. In den
Busterminals gerieten wir ins Wortgewitter von Fahrern:
„Riobamba, Riobamba“, das auch im Bus kein Ende nahm. An jeder
Bushaltestelle stiegen Leute zu, die überlaut für
„Wunderseifen“ warben oder pollos (Hühnchen) verkauften.
Manchmal konnte man während der Fahrt sogar den Schatten von
Tieren beobachten, die auf dem Busdach transportiert wurden.
Unterwegs im Andenhochland trafen wir Indigenas mit bunten
Ponchos und Kindern auf dem Rücken. Auf den Märkten herrschte
ein geschäftiges Treiben, wo vor allem traditionell gekleidete
Frauen ihre bescheidenen Waren verkauften.

Auf unserer Reise begegneten wir immer wieder Menschen, die
für uns eine sonst verschlossene Tür öffneten. So war da ein
Taxifahrer, der er uns zu einer Bananenplantage brachte oder
ein deutscher Arzt, der uns zu einem längst erloschenen Vulkan
führte. Über alle diese Menschen wird im Film nichts zu sehen
sein, aber sie schwingen mit. In der letzten Woche taumelten
wir also planlos in unser Thema und ließen uns von Zufällen
durch das Land treiben. So war es auch reiner Zufall, dass wir
an einem kleinen Fischerdorf vorbeikamen, wo whale-watching
tours angeboten wurden. Wir brachten eine Ansammlung von
Impressionen zurück, die wir nicht so schnell vergessen
werden. Wenn wir unsere Augen schließen, werden wir noch lange
die Wale vor unseren Augen sehen, der unvergleichliche
Geschmack der frischen jugos (Fruchtsäfte) wird uns noch lange
in Erinnerung bleiben und das hektische Geschrei von Menschen
im Busterminal wird uns auch später noch in den Ohren
klingen.

Montag, 26. Juli 2004

Unterwegs mit dem Stromauto

Das verkehrt.net-Team war mit dem Emobil der VKW unterwegs.

VerkehrtReport-2004-07-26-9337591878

Eine Idee

Dominik und Jan haben sich schon längere Zeit Gedanken über
eine umweltfreundliche Alternative zum herkömmlichen Auto
gemacht und kamen auf die Idee ein Elektroauto zu mieten. Wie
die wenigsten wissen stellen die VKW Emobile ohne Leihgebühr zur
Verfügung! Ich hatte die Aufgabe das Auto, einen Citroën Saxo
mit Elektromotor in Bregenz abzuholen. Ein VKW-Mitarbeiter hat
mich instruiert wie das Elektroauto zu fahren ist.

Das Emobil

Die Amaturen bestehen aus Geschwindigkeitsanzeige,
Ladestandanzeige (in Prozent angegebene Akkufüllung) und einer
Verbrauchsanzeige:

  • grüner Bereich: sparsames Fahren
  • oranger Bereich: mittelmässiger Verbrauch
  • roter Bereich: viel Verbrauch
  • negativer Bereich: es wird Strom produziert!

Gänge gibt es keine und somit auch keine Kupplung.
Rückwärts fährt man auf Knopfdruck.

Die Testfahrten

Am Berg:
Bergauf fahren lässt sich bei uns im Bregenzerwald natürlich
nicht vermeiden Wenn man dabei im grünen Bereich bleiben
möchte, ist man relativ langsam unterwegs (40km/h). Mit Fahren
im roten Bereich geht es aber schneller.

Bundesstraße:
Der B200 entlang von Alberschwende nach Egg verbrauchte das
Elektroauto keinen Strom, sondern produzierte sogar Energie,
welche wiederum zum Aufladen der Akkus verwendet wird. Wir
fuhren im vorgeschriebenen Tempolimit (60 km/h, 80
km/h).

Autobahn:
Das Autobahn fahren (Dornbirn- Rankweil) verbraucht relativ
viel Energie, obwohl wir im grünen Bereich gefahren sind. Wir
erreichten hier die Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h.
Allerdings konnten wir uns nicht entspannen, da die
Vorstellung, dass der Akku bald leer ist, nicht gerade
beruhigend war. Johannes Rauch hat uns schliesslich an einer
Steckdose tanken lassen. ;)

Mit der Zeit bekamen wir ein gutes Gefühl für das
Abschätzen welche Strecke wieviel Strom benötigte. Die
Reichweite einer Akkuladung ist mit ca. 85 km angegeben, wobei
diese je nach Art der Strecke (z.B. Berg) variiert.

Tanken

Das Tanken oder besser das Aufladen des Akkus dauert etwa 4
Stunden an einer gewöhnlichen 220 Volt- Steckdose. Es besteht
die Möglichkeit an den Stromtankstellen der VKW mit
kostenfreiem Parkplatz aufzuladen. Eine solche Stromtankstelle
befindet sich z.B. in Egg hinter dem Kässtadel. Zum Vergleich:
für 100 km zahlt man für den Strom etwa 1,65 Euro.
(Nachtstrom)

Fazit


Vorteile
Nachteile
leise
gutes Fahrgefühl: gemütlich, entspannter
keine Luftverschmutzung
keine Steuern
niedrige Verbrauchskosten
bergfahren
Tanken dauert 4 Stunden
hohe Anschaffungskosten (50 - 70% teurer)



Unsere Bekannten und die mitgenommenen Autostopper waren
sehr interessiert und positiv vom Emobil überrascht. Bemängelt
haben einige die kurze Reichweite des Elektroautos. Wir von
verkehrt.net sehen dies nicht als Nachteil - längere Strecken
werden sinnvollerweise mit Öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus,
Bahn) zurückgelegt.

Die Lösung für alle Probleme?

Mit einem Elektroauto sind nicht alle Probleme, die der
Verkehr und das Auto mit sich bringen, beseitigt. Denken wir
nur an den Strassenbau, Parkplätze, Unfallrisken ...
Jetzt bleibt mir nur noch eine Frage: Ist der Strom, den wir
tanken, wirklich so sauber wie wir denken? Doch das ist eine
andere Geschichte ...

Link zum Photoalbum zur Emobil-tour
Link zu den Stromautos der VKW

verkehrt.net

Bregenzerwald | Vorarlberg | Europa | Erde

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