guatemala2004

Samstag, 2. Oktober 2004

Hoffnung in Guatemala

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Pobreza y violencia

Guatemala steht vor grossen Problemen. Vor einem Jahr ist
der Präsident der rechtsgerichteten FRG-Partei mit einem
beträchtlichen Vermögen des Staates nach Mexiko geflüchtet, wo
er erst kürzlich eine Arbeitserlaubnis erhalten hat. Die
Chancen auf seine Auslieferung werden von den Medien als
gering eingestuft. Täglich werden in Guatemala um die zehn
Menschen meist kaltblütig ermordet - die Mordstatistiken in
den Zeitungen sind erschreckend und ein Ende der Gewalt ist
trotz öffentlicher Proteste der Zivilbevölkerung nicht in
Sicht. Die Landkonflikte fordern immer wieder Opfer - im
September 2004 wurde eine von Bauern besetzte Finca
(bezeichnet ein Landhaus, Bauernhof oder Landgut, oft mit
einer angeschlossenen Plantage) mit Staatsgewalt geräumt -
mehr als 10 Tote waren das Ergebnis. Die Preissteigerungen der
letzen Zeit treffen vor allem die Armen. Der praktisch
nichtexistente Mittelstand kämpft darum den Anschluss nicht zu
verlieren, während die Oberschicht immer reicher wird. Die
sozialen Unterschiede sind enorm und bei der Reise durch das
Land nicht zu übersehen.

Esperanza

Nichtsdestotrotz lebt die Hoffnung. Viele Menschen setzen
ihre Hoffnungen auf den neuen Präsidenten Oscar Berger, der
seit gut einem Jahr im Amt ist. Die zum Teil sehr kritischen
Zeitungen in Guatemala loben die Ansätze, kritisieren aber des
öfteren die zu wirtschafts- und reichenfreundliche Haltung des
Präsidenten. So ist es geschehen, dass die katholische Kirche
öffentlich dazu aufgerufen hat Vorhaben zum Abbau von
Rohstoffen noch einmal zu prüfen - zu oft ist es schon
geschehen, dass die internationalen Konzerne zum Abbau der
Bodenschätze Mensch und Umwelt rücksichtslos ausgebeutet haben
und nach verrichteter Arbeit ungestraft wieder verschwunden
sind. Dabei stand die katholische Kirche in Guatemala nicht
immer auf der Seite der Schwachen - es sei nur an die
Zwangsmissionierungen der indigenden Bevölkerung
erinnert.

Unsere Reise

Wir haben auf beiden Seiten gelebt. Die Hochzeit zu der wir
geladen waren führte uns in eine Welt, die der unsrigen um
Nichts nachsteht. Man fährt westliche Autos, trägt schöne
Kleider, geht fein essen und zum Shoppen ins Shopping Center.
Auf der anderen Seite sind wir mit den Ärmsten im Bus durch
das Land gefahren, haben Menschen gesehen, die um ihr
tägliches Brot kämpfen mussten und verzweifelt um Almosen
gebettelt haben. Die Kontraste sind stark - so stark, dass es
einem schlecht werden könnte. Ich hoffe sehr, dass sich
Mittelamerika endlich zu einer selbstbewussten Region
entwickelt, in der die sozialen Unterschiede in den kommenden
Jahren verringert werden können. Brasilien scheint mir auf dem
richtigen Weg zu sein. So bleibt mir nur diesem Guatemala und den
Menschen das Beste zu wünschen: Que te vaya muy bien,
Guatemala!


Sonntag, 5. September 2004

Guatemala - Gedanken

Wir haben gestern den Vulkan Tajumulco (4220m) bestiegen und wieder einige interessante Tatsachen von unserem Bergfuehrer erfahren.

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Tajumulco

Am ersten Tag sind wir in 4 Stunden auf ca. 4000m aufgestiegen, wo wir unser Zelt aufgebaut haben. Die ganze Nacht ueber hat es stark geregnet, sodass der Zeltboden bald nass war und die Feuchtigkeit bald in unsere Schlafsaecke drang. Morgens um 5:00 haben wir dann bei Sonnenaufgang die letzten Meter zum Gipfel erklommen. Die Sicht auf die umliegenden Vulkane, Berge und Ortschaften war ueberwaeltigend. Vor allem waehrend der schlaflosen Nacht im Zelt sind mir ein paar Gedanken durch den Kopf gegangen, die ich hier ungeordnet auflisten moechte.

Open Source

Bei meinen Internetcafebesuchen in Guatemala und in den Gespraechen mit Guatemalteken ist mir aufgefallen, dass von Linux und Open Source noch nicht viel zu sehen und hoeren ist. Wie ich meine leider, da Freie Software fuer ein Entwicklungsland wie Guatemala doch einige Vorteile bieten wuerde. In Guatemala regiert Windows, was wohl auch mit dem grossen Einfluss der USA zu tun hat. Fussballmannschaften werden in Guatemala entweder von Pepsi oder Coca Cola gesponsort ...

Zwei Nationen

In der Tageszeitung El periodico ist mir heute ein Artikel mit dem Titel Las dos naciones aufgefallen. In diesem Artikel geht es um das grosse Missverhaeltnis zwischen Arm und Reich (den beiden Nationen in einem einzigen Staat) in Guatemala, das der Autor mit dem Zustand zu Beginn der industriellen Revolution in Europa vergleicht - einige wenige besitzen sehr viel und missbrauchen die billige Arbeitskraft, um ihren ohnehin grossen Wohlstand zu mehren. Dies fuehrt zwangslaeufig zu Konflikten - so wurde vor einer Woche eine von Bauern besetzte finca (Grossgrundbesitz) von der Polizei mit Waffengewalt geraeumt. Die traurige Bilanz dieser Raeumungsaktion (desalojo) sind 10 Tote. Auch der Praesident Óscar Berger scheint im ersten Jahr seiner Amtzeit viele Sympathisanten verloren zu haben, da er bisher keine wirksamen Massnahmen zur Umverteilung des vorhandenen Reichtums getroffen zu haben scheint.  

Blutige Geschichte

Unser Bergfuehrer Heizer hat uns auch erzaehlt, dass die veruebten Massaker in den letzten Jahren, vor allem unter den Militaerdiktaturen, in der Schule nicht thematisiert werden. Viele Guatemalteken wuerden von den veruebten Greueltaten nichts wissen - ausser sie setzen sich, wie Heizer, mit dieser Thematik auseinander indem sie sich aktiv darueber informieren indem sie z.B. Buecher darueber lesen. Darueberhinaus besteht laut Heizer in Guatemala keine Schulpflicht - vor allem in den aermsten Familien sind auch die Juengsten gezwungen, den Unterhalt der Familie mitzufinanzieren. Es gehoert zum taeglichen Bild, dass 6-Jaehrige mit dem Schuhputzkoefferchen nach Kundschaft suchen und fuer einen Quetzal die Schuhe williger Menschen putzen. Oder sie verdingen sich als Ayudantes (Hilfsarbeiter in den Bussen, der fuer das Kassieren und das Hinauschreien des Fahrzieles verantwortlich sind) in den vielen Minibussen ihr Geld ...

Mittwoch, 1. September 2004

Guatemala - Umweltschutz

Es scheint mir, dass die katholische Kirche sich fuer die Rechte der (armen) Menschen einsetzt und sich auch in Umweltfragen der Sorgen der Menschen annimmt.

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Umweltschutz

Das ist in der Tat ein heikles Thema. Gelinde ausgedrueckt ist wohl das halbe Land eine Muellhalde - auch wenn die Regierungen bereits Kampagnen gestartet haben, ist es voellig normal den Muell an Ort und Stelle fallen zu lassen. Bei der Fahrt mit dem Autobus wird einfach das Fenster aufgemacht und der ueberfluessige Muell hinausgeworfen - dementsprechend sieht es auch an den Strassenraendern aus.

Fliessgewaesser und Verkehr

Auf unserer Reise sind wir schon an vielen Fluessen vorbeigekommen - es ist voellig normal, dass diese schaeumen und eine Menge Muell mit sich fuehren. Logischerweise aber auch tragischerweise kann das Wasser aus der Leitung nicht getrunken werden - gallonenweise muss das gefilterte Wasser gekauft werden.

Die 20-jahre alten Camionetas (Busse) sind fuer einen betraechtlichen Teil der Luft- und Laermverschmutzung verantwortlich. Dichte, schwarze Abgaswolken werden von diesen abgesondert. Laut Buschauffeur liegt der Verbrauch eines solchen Geraetes bei 50l Diesel/100km auf gebirgiger Erdstrasse. Leider fehlt auch hier das Geld fuer eine dringende Modernisierung des Fuhrparkes.

Kirche als Anwalt

Erst heute habe ich in der qualitativ guten Tageszeitung Siglo XXI die Schlagzeile gelesen, dass die katholische Kirche die Genehmigung der Regierung zum Abbau von Gold und Silber oeffentlich kritisiert: Permisos para explotar oro y plata son cuestionados por obispos.

Dies vor allem weil fuer den Abbau der Bodenschaetze lasche Auflagen erteilt wurden und verseuchtes Wasser die Folge sein wird. (so geschehen in Honduras) Die Kirche setzt sich fuer die Schwaechsten ein - die Armen und die Umwelt. Waere in der Tat schoen, wenn daraus eine Sozial- und Umweltbewegung entstehen koennte, wie dies die Gruenen bei uns verkoerpern.

Montag, 30. August 2004

Guatemala - Projekt Eco-Quetzal

Das feine Leben ist vorbei - die Realitaet in Guatemala hat uns eingeholt. Wir sind auf Tour ...

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Lagebericht

Es ist schwer all das Erlebte und Erfahrene in Worte zu fassen. Unfassbar gross sind die Unterschiede zwischen den Welten der Reichen und der Armen in Guatemala - in den letzten Tagen haben wir eher in letzterer gelebt. Die Geschichte von Guatemala ist gepraegt vom einem furchtbaren Buergerkrieg, der erst vor einigen Jahren offiziell beendet wurde. Momentan sind wir in Huehuetenango, der aermsten Region Guatemalas. Die wilden Fahrten mit den 20-Jahre alten Busse ueber Erdwege haben wir auch ueberlebt. Dafuer haben wir uns heute bei einer Messe in der Kathedrale bedankt. ;)

Projekt Eco-Quetzal

Durch Zufall sind wir durch unseren Reisefuehrer auf das Projekt Eco-Quetzal gestossen. In der Gegend um Coban haben deutsche Forscher vor einigen Jahren eine ungewoehlich grosse Ansammlung von Quetzales (eine besondere Vogelart) entdeckt - diese waren aber durch die vorherrschenden Anbaumethoden der Indigenas (Indianer) und das Roden des Regenwaldes gefaehrdet. Das Projekt Eco-Quetzal hat sich zum Ziel gesetzt den Regenwald zu erhalten und die dort lebenden Menschen zu unterstuetzen. Dies geschieht indem abgehaertete Touristen die Moeglichkeit bekommen fuer einige Tagen bei den Indianerfamilien zu wohnen und den Regenwald zu erkunden - fernab des Massentourismus.

Ein Abenteuer

Andres und ich haben das Abenteuer auf uns genommen und es war wirklich fantastisch. Drei Tage lang haben wir in einfachen Verhaeltnissen bei einer Indianerfamilie gewohnt - die Abende am offenen Feuer (natuerlich ohne Elektrizitaet) werden unvergesslich bleiben! Dies entschaedigt auch fuer den von Regen gepraegten 2h-Fussmarsch und die 3h Fahrt auf einem Lastwagen auf nicht-asphaltierten Wegen.

Oekotourismus

Eco-Quetzal ist fuer mich ein Paradebeispiel fuer Oekotourismus - eine Art von Tourismus der Mensch und Natur respektiert. Vielleicht sollte sich die OEVP dies beim geplanten Skigebietausbau im hinteren Bregenzerwald auch ueberlegen? Ich hoffe jedenfalls auf die Einsicht der Vorarlberger bei der anstehenden Landtagswahl.

Donnerstag, 12. August 2004

Notícias de Guatemala II

Eine Lernwoche in Antigua.

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Luxus

Der Vater von Sofia, Carlos hat uns in einer gemuetlichen Pension in Antigua mit einem wunderbaren Garten einquartiert. $50 pro Nacht fuer das Doppelzimmer mit Fruehstueck sind der Wahnsinn, denn so viel Luxus haetten wir nicht noetig und dies wird wohl einmalig fuer unsere Guatemalareise bleiben. Zwei maestros (Lehrer) besuchen uns taeglich zwischen 8:00 und 12:00, um mit uns Spanisch zu lernen.

Spanischunterricht

Mein maestro ist ein intelligenter Latino, der viel ueber die blutige Geschichte Guatemalas und die aktuellen politischen Entwicklungen zu erzaehlen weiss. Der neue, noch nicht korrupte Praesident, Berger naehrt die Hoffnung der Guatemalteken auf eine besserer Zukunft. Die leere Staatskasse mitverursacht durch den korrupten Ex-Praesidenten, die Kriminalitaet und das extreme Gefaelle zwischen Arm und Reich sind ernsthafte Probleme dieses Landes. An Sachen wie Umweltschutz wird hier verstaendlicherweise noch nicht gedacht.

¡Mierda!

Fast haetten Andres und ich ein Desaster verursacht. Wir wussten schliesslich nicht, dass das Klopapier in Guatemala nicht ins Klo gehoert, sondern in den Mullkuebel. Gluecklicherweise hat sich der Stau nach Anwenden einiger Tricks aufgeloest. :)

Common Hope

Common Hope nennt sich ein Entwicklungsprojekt aus den USA. Mit unseren beiden maestros sind wir zu diesem Projekt gefahren. Nach einer Fuehrung durch das Gelaende mit Krankenhaus, Kindergarten, Schule ... haben wir Briefe der dort wohnenden Kinder an ihre Pateneltern aus dem Spanischen ins Englische uebersetzt. Diese Geschichte war alles andere als einfach - vor allem auch deshalb, weil die Kinder noch einige Probleme mit Satzbau und Rechtschreibung haben. Andres und ich haetten uns gut vorstellen koennen unseren Zivildienst hier abzuleisten.

La boda

Wir erfreuen uns bester Gesundheit und freuen uns auf die Hochzeit von Paul und Sofia am Samstag - aber noch viel mehr hoffen wir auf das Ende unseres wohlbehueteten und touristenartigen Aufenthaltes in Antigua. Das authentische Guatemala fernab des Massentourismus wartet auf uns und ist uns hoffentlich wohlgesonnen.

Montag, 9. August 2004

Noticias de Guatemala

Andres und ich sind seit 6. August 2004 in Guatemala und werden bis 16. September dort bleiben.

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Unsere Reise

Mit dem Zug sind wir von Oberstaufen nach Muenchen gefahren, wo wir dann ueber Los Angeles nach Guatemala geflogen sind. Die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen fuer die Einreise in die USA sind kaum zu beschreiben - sowohl unserer Bergschuhe als auch unserer Guertel mussten wir uns entledigen - wir sind im Krieg, scheint es!

¡Guatemala!

Voller Erwartung sind wir um 4 Uhr morgens in Guatemala Ciudad angekommen. Zu Fuss haben wir uns dann auf den Weg in die Zona 10 gemacht - die enormen Unterschiede wurden augenscheinlich. Unser ungewoehlicher Fussmarsch brachte uns den Spitznamen los perdidos ein - die verlorenen Soehne. Der Verkehr ist die Hoelle und die alten Busse ziehen eine schwarze Rauchwolke hinter sich her, dass einem das Atmen vergeht und man die Russpartikel in der Luft geradezu abzaehlen kann.

La familia

Unsere Gastfamile scheint sich fast gewundert zu haben, dass wir unseren Fussmarsch durch die halbe Stadt lebendig beendet haben. Ansonsten wird hier jede noch so kurze Strecke mit dem Auto zurueckgelegt - genuegend Geld vorausgesetzt. Los pobres (Die Armen) sind auf die ueberfuellten camionetas (Autobusse) angewiesen. Die enorme Kluft zwischen Arm und reich wurde uns bei unserem Fussmarsch richtig bewusst.

La boda

Am ersten Tag waren wir auf eine Hochzeit eingeladen - nach einer Fahrt durch dreckige pueblos gelangten wir zu einem eingezaeunten und streng bewachten Gelaende. Die Hochzeit war nobler als wir sie in Europa kennen und Andres und ich fuehlten uns wie Kolonialherren - es war ein befremdendes Gefuehl sich an guten Speisen und teuren Getraenken zu laben waehrend nur einige Kilometer weiter die Menschen im Dreck leben und irgendwie ihr taegliches Brot verdienen muessen.

Estamos en Antigua

Seit gestern sind wir in Antigua, Guatemala. Wir melden uns wieder solange wir noch Zugriff zum Internet haben. In einer Woche werden wir die andere Seite Guatemalas hautnah kennen lernen. ¡Hasta luego!

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