Hoffnung in Guatemala

Pobreza y violencia
Guatemala steht vor grossen Problemen. Vor einem Jahr ist
der Präsident der rechtsgerichteten FRG-Partei mit einem
beträchtlichen Vermögen des Staates nach Mexiko geflüchtet, wo
er erst kürzlich eine Arbeitserlaubnis erhalten hat. Die
Chancen auf seine Auslieferung werden von den Medien als
gering eingestuft. Täglich werden in Guatemala um die zehn
Menschen meist kaltblütig ermordet - die Mordstatistiken in
den Zeitungen sind erschreckend und ein Ende der Gewalt ist
trotz öffentlicher Proteste der Zivilbevölkerung nicht in
Sicht. Die Landkonflikte fordern immer wieder Opfer - im
September 2004 wurde eine von Bauern besetzte Finca
(bezeichnet ein Landhaus, Bauernhof oder Landgut, oft mit
einer angeschlossenen Plantage) mit Staatsgewalt geräumt -
mehr als 10 Tote waren das Ergebnis. Die Preissteigerungen der
letzen Zeit treffen vor allem die Armen. Der praktisch
nichtexistente Mittelstand kämpft darum den Anschluss nicht zu
verlieren, während die Oberschicht immer reicher wird. Die
sozialen Unterschiede sind enorm und bei der Reise durch das
Land nicht zu übersehen.
Nichtsdestotrotz lebt die Hoffnung. Viele Menschen setzen
ihre Hoffnungen auf den neuen Präsidenten Oscar Berger, der
seit gut einem Jahr im Amt ist. Die zum Teil sehr kritischen
Zeitungen in Guatemala loben die Ansätze, kritisieren aber des
öfteren die zu wirtschafts- und reichenfreundliche Haltung des
Präsidenten. So ist es geschehen, dass die katholische Kirche
öffentlich dazu aufgerufen hat Vorhaben zum Abbau von
Rohstoffen noch einmal zu prüfen - zu oft ist es schon
geschehen, dass die internationalen Konzerne zum Abbau der
Bodenschätze Mensch und Umwelt rücksichtslos ausgebeutet haben
und nach verrichteter Arbeit ungestraft wieder verschwunden
sind. Dabei stand die katholische Kirche in Guatemala nicht
immer auf der Seite der Schwachen - es sei nur an die
Zwangsmissionierungen der indigenden Bevölkerung
erinnert.
Wir haben auf beiden Seiten gelebt. Die Hochzeit zu der wir
geladen waren führte uns in eine Welt, die der unsrigen um
Nichts nachsteht. Man fährt westliche Autos, trägt schöne
Kleider, geht fein essen und zum Shoppen ins Shopping Center.
Auf der anderen Seite sind wir mit den Ärmsten im Bus durch
das Land gefahren, haben Menschen gesehen, die um ihr
tägliches Brot kämpfen mussten und verzweifelt um Almosen
gebettelt haben. Die Kontraste sind stark - so stark, dass es
einem schlecht werden könnte. Ich hoffe sehr, dass sich
Mittelamerika endlich zu einer selbstbewussten Region
entwickelt, in der die sozialen Unterschiede in den kommenden
Jahren verringert werden können. Brasilien scheint mir auf dem
richtigen Weg zu sein. So bleibt mir nur diesem Guatemala und den
Menschen das Beste zu wünschen: Que te vaya muy bien,
Guatemala!

