Kräuterprojekt

Mittwoch, 28. Februar 2007

SPITZWEGERICH

"Plantago lanceolata" am 03.09.06 am Klaratsberg
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Wegerich“ kommt aus dem Althochdeutschen, "wega" (Weg) und "rih" (König), also irgendwie „König des Weges“ oder so.
"Spitz" erklärt sich von selbst.
Plantago“ von lat. „Planta" = Fußsohle bezieht sich eher auf den Breitwegerich. Das ist der, der auf Fußwegen durch die Wiese immer ganz flach und breit am Boden liegt. Bei Nordamerikanischen Indianern heißt er übrigens „Spur des weißen Mannes“, weil er überall dort auftrat wo Europäer waren. (Ursprünglich sind Wegericharten in Amerika nicht beheimatet)

Zur Charakterisierung
Während der Blüte sieht es so aus, als würden die vielen Einzelblüten den Ähren entlang von unten nach oben wandern und so dem Spitzwegerich eine Krone aufsetzen.
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Ein weiteres Charakteristikum sind die gerippten Blätter, an denen sich scheinbar erkennen läßt, ob eine Wiese beweidet (Blätter liegen flach am Boden) oder gemäht (Blätter wachsen aufrecht in die Höhe) wird.
Botanische Einzelheiten hier.

Zur inneren Anwendung empfohlen!
Die jungen Blätter schmecken hervorragend in Salaten, gedünstet wie Spinat, als Spitzwegerichsuppe, als Gewürzkraut für Kartoffelgratin und natürlich ein Muß für die legändere Wildkräuterspaghettimischung.
Unbedingt ausprobieren, schließlich wächst das Zeug bei uns wie Unkraut. (ab ca. Mai sind die Blätter gut zum sammeln)

Zur Heilung!
Wer selbstgemachten Spitzwegerichhustensirup nicht kennt, hat echt was verpasst. Eine von vielen Rezepturen hier.
Ansonsten zur Auflage auf kleine Wunden und Insektenstiche.
(Vielleicht heute nicht mehr so aktuell aufgrund von Hansaplast und Co)

Schluss!
Vermutlich aufgrund seiner unspektakulären Art und seines ständigen Auftretens wird der Spitzwegerich nur wenig beachtet, er sollte jedoch mehr Eingang in experimentierfreudige Küchen finden , da er sich so vielfältig verwenden läßt.

Freitag, 5. Januar 2007

EUPHRASIA OFFICINALIS ODER DER AUGENTROST

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am Weg von Schröcken auf die Braunarl

Augentrost blüht von Juli bis September und ist bei uns von ca. 800 m aufwärts eigentlich überall zu finden.
Der Augentrost wird zu den Halbschmarotzern gezählt, da er mit seinen Saugwurzeln den Gräsern in seiner Umgebung Nährstoffe entzieht. Vielleicht wird er deshalb auch Milchdieb genannt.

Die Blüte zeigt die "Signatur" des Auges. (der dunkle Fleck in der Blüte wird mit der menschlichen Pupille verglichen)
So beschreibt schon der Name die traditionelle Verwendung, nämlich die Behandlung der verschiedensten Augenleiden.

1986 gelangte zwar die Kommission E zu dem Ergebniss, das die Wirksamkeit nicht ausreichend gesichert sei, trotzdem ist der Augentrost aus der Naturheilkunde nicht Wegzudenken.

Interessant ist es auch festzustellen, dass der Name dieser Pflanze in fast allen europäischen Sprachen ihren Wert als Augenmedizin anzeigt. So heißt Augentrost in Frankreich casse-lunettes (Brillenzerstörer), die Italiener nennen das Kraut luminella (Licht für die Augen) und im englischen heißt Augentrost eyebright (Augenglanz).

Angewendet wird er als Tee oder Absud. Als die Zeit noch etwas mehr Magie zu bieten hatte, wurde er einfach in einem Säckchen um den Hals getragen und er tat von dort aus seine Wirkung.
Ich habe Augentrost auch in meine Wildkräuterspaghettimischung getan (siehe unten), hat zwar nicht nach viel geschmeckt, aber schön ausgeschaut.
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Sonntag, 12. November 2006

Wiedermal ein Pflänzchen - Der Efeu

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typisches Bild von Efeu in unseren Wäldern, hier Hoftobelweg in Egg

Warum der Efeu Efeu heißt
weiß ich leider nicht. Klar ist jedoch der botanische Name
"HEDERA HELIX", kommt aus dem Griechischen und bedeudet
Hedra = Sitzen oder Haften (bezieht sich auf seine Haftwurzeln)
Helix = gewunden, schneckenförmig

Efeu ist eine der ältesten Mysterienpflanzen.
Im alten Ägypten war der Efeu Osiris, dem Gott der Fruchtbarkeit geweiht. Er ist auch die heilige Pflanze des Dionysos in Griechenland oder des Bacchus im alten Rom. Bei Plinius (röm. Gelehrter) galt der Efeu als "psychoaktives" Gewächs, das den Geist öffnete. Und sogar bei "Tristan und Isolde" sorgt er für ein quasi Happy End.
Als immergrüne Pflanze ist Efeu ein Symbol für ewiges Leben und seit jeher auch an Friedhöfen zu finden.

Leider giftig,
Da der Efeu leider etwas giftig ist, empfiehlt sich weder der Verzehr von Blättern noch von den Früchten.
Jedoch ist er ein gutes Heilmittel (genaue Beschreibung) bei chronischen Bronchialerkrankungen und Atemwegsentzündungen. Verwendet werden nur Fertigarzneimittel!

In der Volksheilkunde ist das Anwendungsgebiet etwas breiter, dort findet Efeu auch bei Gicht, Rheuma, Leber und Gallenleiden sowie Zellulitis Anwendung.

aber Schön.
Jetzt ist eine gute Zeit mal an einem Nebeligen Vormittag nach dem Efeu zu sehen, weil er eine starke Stimmung macht, auch wenn er nicht so sehr "hübschelt" wie andere Pflanzen.

Freitag, 13. Oktober 2006

BRENNESSEL

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Es goht en Buur in Garta und schiist, putzts Füdle mit Nessla dass as biisst; hätt´der Buur dia Nessla g´kennt, hätt er´s Füdla nid v´rbrennt. (Jutz,1960)
aus dem Buch "Vorarlberger Kräuterwelten"

Nomenklatur.
Die Bedeutung des Namens Brennessel dürfte eigentlich jedem seit seinen "kurzhosigen" Kindertagen bekannt sein.
Der botanische Name "Urtica" leitet sich von dem lateinischen Wort "urere" (brennen) ab.

Bedeutung!
Die Brennessel wurde in alten Tagen zu allerlei Zauberei verwendet. In Zusammenhang mit dem rechten Ritual hielt sie Blitze sowie böse Dämonen fern, schützte das Vieh und gab ein Milch- oder Geldreiches Jahr.
Das diese Pflanze eine überaus brauchbares Heilkraut ist war bereits den alten Griechen bekannt. Bis heute findet sie in der Naturheilkunde und auch in der "schulmedizinischen" Phytotherapie Verwendung. (Blutreinigung, Blutbildung; Gicht, Rheuma, Prostataerkrankungen, Harnwegsentzündungen sind nur einige mögliche Indikationen)


Essen?
Gesund, gesünder, Brennessel. (kein Schmäh!)
Die jungen Blätter der Pflanze können von Mai bis September geerntet werden. Bei uns werden sie meist zu Tee getrocknet oder als Suppe gekocht. Meiner Meinung nach geben sie aber wesentlich mehr her, wenn man z.B Nudelgerichte oder Strudeln oder Brotaufstriche,... daraus herstellt. Hier ein paar Rezepte.
Das Sammeln und Verwenden dieser Pflanze ist wirklich einfach.
Ein Versuch im nächsten Frühling lohnt sich allemal.

Auch Interessant.
  • Brennessel ist ein typischer Stickstoffanzeiger (-bezieht sich auf den Boden, auf dem sie wächst.
  • Urtication = "schlagen" der Haut zur Behandlung von Hexenschuss, Rheuma,...
  • Brennesselwurzelextrakt hilft bei Haarausfall und Brennessalsamen bei Libidoproblemen (aber nur bei Männern)

Donnerstag, 28. September 2006

ARNIKA

29.07.06 mellau-damüls 045
Diese Arnika ist mir Ende Juli zwischen Bergstation Ugalift und Elsenkopf begegnet. (Übrigens lohnt es sich wegen der nicht vorhandenen Liftanlagen den selten begangenen Abstieg vom Elsenkopf nach Damüls zu gehen.)

Ihr lateinischer Name ist Arnica montana. Im Volksmund wird sie auch Johannisblume, Wolfsdistel oder Bergwohlverlei (Wolverlei-Wolferley-Wolf...) genannt. Wobei sich "Wolf" auf die außerordentliche Kraft der Pflanze bezieht. (engl. Wolf´s Bane)
Am Johannistag (=Sommersonnwende) soll die Arnika die meiste Heilkraft entwickeln, wie viele vom Lichtimpuls angeregte, gelb und orange blühende Pflanzen.
Der Name "Arnika" ist relativ jung (17.Jh.) und seine Entstehung nicht mehr nachvollziebar.

Sie ist eine ausgesprochene Gebirgspflanze und wächst auf Magerwiesen und in lichten Nadelwäldern zwischen 900 und 2300 m. Was sie nicht so sehr mag sind Kalkhaltige Böden und Düngung.

Die Heilpflanze
29.07.06 mellau-damüls 046

Die Arnika besitzt neben ihrem herbaromatischen Duft eine große Wirkung und wird darum als das Erste-Hilfe-Kraut der Naturmedizin bezeichnet. Als Tinktur (uns allen bekannt als Arnika schnaps) ist Arnika ein altbewährtes Wundheilmittel.
Bei innerlicher Anwendung ist Arnika ein sehr starkes Herz-Kreislauf-Tonikum. Die Liste der Indikationen ist lang, allerdings wird in mehreren modernen Kräuter- und Heilkräuterbücher von einer innerlichen Anwendung abgeraten.

Es bleibt zu sagen, dass Arnika einerseits eine große Heilerin ist, andererseits aber so strake Kräfte besitzt, dass der Umgang mit Ihr wohl gelernt sein will. (Viele Omas wissen noch gut bescheid)

Sowieso steht sie in einigen Gebieten bei uns unter Naturschutz und es sollte mit ihr vorsichtig umgegangen werden. Die Arnika ist seit jeher in unseren Bergen zu Hause und ist aus der traditionellen Volksheilkunde nicht wegzudenken. Sie ist eine Geheimnisumwitterte Pflanze und ein genaueres Betrachten lohnt sich allemal.

Sonntag, 10. September 2006

RINGELBLUME

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Sie gehört zu der großen Familie der Korbblütengewächse. Die Blütenstände sind je nach Sorte hellgelb bis dunkelorange gefärbt, die Pflanze wird 30 bis 50 cm groß.


Sie fand bereits in den antiken Mittelmeerkulturen als Heilkraut, Gewürz- und Färbepflanze Verwendung. Ab der frühen Neuzeit war sie auch in unserer Region verbreitet.

Die Ringelblume, Botanikern bekannt als Calendula officinalis, verdankt ihren Namen den geringelten Samen. Andere Namen sind „Stinkblume“(wegen des harzigen Geruchs) oder auch „Totenblume“ (die lange Blütezeit bis November steht für Unvergänglichkeit) In netteren Gegenden erhielt sie den Namen „Ringelrose“.

Anzutreffen ist die Ringelblume im Bregenzerwald in beinahe jedem Hausgarten. Wild wachsend habe ich sie allerdings nirgends gesehen, obwohl sie als äußerst robust und teilweise sogar wuchernd gilt. Aber sie gehört vermutlich einfach in die Kräuter- und Gemüsegärten, die sie optisch sehr bereichern. Hoffentlich finden all die strahlend gelb - orangen Blüten auch Verwendung.

Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten:
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.
  • Blütenblätter (d.h. ohne Blütenkorb) schmecken hervorragend aufs Butterbrot mit ein bisschen Salz.
  • Ein Esslöffel frische Blütenblätter reicht als Teedroge für eine Tasse Tee. (getrocknet natürlich wesentlich weniger)
  • Auch sind Sie super geeignet auf Salate oder Suppen (sie haben ein feines Aroma).
  • Wer aus irgendeinem Grund eine Tasse heiße Milch oder das allmorgentliche Grießmuss leuchtend gelb färben möchte, ist mit Ringelblütenblätter gut beraten.
Ringelblume als Heilpflanze:
Am meisten Verwendung findet die Ringelblume als Salbe für Wundheilung und in der Hautpflege. Aber sie wird auch innerlich angewendet als Tee oder Tinktur bei Entzündungen im Mund und Rachen bzw. Magen und Darmbereich. Diese Indikationen sind übrigens auch wissenschaftlich untersucht und anerkannt. Kann man hier nachlesen.

Zu unser Omas oder Uromas Zeiten bestand die heute noch legendäre Ringelblumensalbe aus Schweineschmalz und Ringelblumenblüten. Bestimmt wurde auch dem einen oder anderen in unserer Generation der wunde Babypo damit erfolgreich behandelt. Wer heute Calendula Salbe herstellt, verwendet einfach Salbengrundlage aus der Apotheke oder Bienenwachs mit Vaseline, wenns ganz was feines werden soll.

Wer von Euch diese Lichtvollen Pflanzen im Garten stehen hat, sollte sie wirklich mal ausprobieren. Jetzt ist genau die richtige Zeit.

Die Ringelblumen in diesem Beitrag stehen in Nachbarins Garten in Egg. Mehr Bilder zu Ringelblume (einfach [see all public photos tagged with ringelblume] anklicken.

Freitag, 1. September 2006

Ein Kräuterprojekt

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Was ist das Kräuterprojekt?
In dieser Rubrik werde ich mich mit verschiedenen Pflanzen auseinandersetzen. Die Kräuter und Blumen, die ich heuer im Sommer „digital gesammelt“ habe, leben alle samt im Bregenzerwald. Viele von Ihnen sind echt hervorragende Nahrungspflanzen oder sind heilkräftig oder einfach nur schön anzuschauen. Ich möchte versuchen, die einzelnen Pflanzen aus verschiedenen Perspektiven (Kochen, Pharmazie, Naturheilkunde, …) wahrzunehmen und so für mich besser verständlich zu machen.

…wozu das alles ?
• Das Kräuterprojekt kommt deshalb zustande, weil es mich dazu auffordert, nicht nur Arzneistoffsynthese und Chemie zu lernen, sondern mich auch mit dem Kräuterwissen aus anderen Bereichen zu beschäftigen.

• Weil es eine schöne Sache ist, wenn man die Möglichkeit bekommt, sich mit anderen Interessierten auszutauschen.

• Weil vielleicht der eine oder die andere auf diese Art neugierig auf unsere heimische Pflanzenwelt wird, der eine große kulturelle Bedeutung zukommt.


…und ich?
Ich habe vor 9 Jahren im Zuge einer Kochlehre begonnen, mich mit Pflanzen zu beschäftigen (im weitesten Sinne). Nachdem ich ein paar Jahre gekocht habe, wollte ich noch mehr über das Thema Essen und so wissen und habe eine Ausbildung zum Ernährungsberater mit Schwerpunkt traditionelle Kräuterheilkunde gemacht. Das war so interessant, dass ich nun mit dem Studium der Pharmazie begonnen habe.

In Bälde sind hier also ein paar Pflänzlein zu besehen und ich hoffe, dass es für das Netzwerk „Verkehrt.net“ eine Bereicherung sein wird. Die gesammelten Berichte zu diesem Thema sind später in der Rubrik "Kräuterprojekt" zu finden.

verkehrt.net

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