Dienstag, 19. Juni 2007

zur Sau gemacht?

sau

Auf der Homepage des Vorarlberger Braunviehzuchtverbands erfährt der interessierte Leser, dass der „beste Betrieb“ im Land einen stolzen Stalldurchschnitt von 10.177 kg vorzuweisen hat. Und die Grenze nach Oben scheint für viele offen zu sein. Um dem Wiederkäuer „Rind“, derartige Leistungen abzufordern, ist ein beachtlicher Einsatz von Kraftfutter nötig. Kritiker dieses Systems, wie der ehemalige Tierzuchtprofessor Dr. Haiger, sprechen davon, dass die „Kuh zur Sau“ gemacht wird.
Die Herren, die auf diversen landwirtschaftlichen Veranstaltungen, derartige Hochleistungstiere prämieren fordern im selben Atemzug die „Flächendeckende Bewirtschaftung von Grünlandregionen“. Es stellt sich aber die Frage, ob die Bestrebungen der Zuchtverbände, die Grünlandgebiete auf Dauer nicht überflüssig machen. Warum sollen in Zukunft noch Rinder in Vorarlberg gehalten werden, wenn deren Leistung von importiertem Getreide abhängt? Ist es da nicht sinnvoller diese Tiere gleich in den Ackerbauregionen zu halten?
Der Wiederkäuer erweist uns einen großen Dienst, in dem er faserreiche Nahrung (Gras) aufschließt und in Form von Fleisch und Milch für den menschlichen Konsum zugänglich macht. Durch das Verfüttern von Getreide das für den menschlichen Verzehr geeignetem wäre wird dieses System ab absurdum geführt.

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http://verkehrt.twoday.net/stories/3910915/modTrackback

Andreas.Schneider - 19. Jun, 20:08

"Die Tatsache, dass die Kosten für eine Einheit Nettoenergie aus Körnermais niedriger waren als aus Grundfutter, hat die Forschung auf dem Gebiet der Wiederkäuer-Ernährung dazu gedrängt, Lösungen für die Verdauungsstörungen zu finden, die aus der Kraftfutter-Fütterung resultierten." (aus der Präsentation)

Das ist dann wohl auch der Grund warum die heutigen Kühe "für ihre Gesundheit" ein gewisses Maß an Kraftfutter "brauchen"?

landwirt (Gast) - 20. Jun, 14:26

Dieser Kritik werden auch die meisten Landwirte zustimmen. Aber wo ist die Lösung?
simon.v - 20. Jun, 17:51

Wegkommen von dieser eindimensionalen Betrachtungsweise, die ökonomische und ökologische Gesichtpunkte teilweise völlig außer Acht lässt. Leistungswerte sagen nichts aus über den Preis mit denen sie erkauft wurden. Gute Ansätze in diese Richtung liefert der „ökologische Gesamtzuchtwert“.
http://www.raumberg-gumpenstein.at/cms/index.php?option=com_docman&task=doc_view&gid=140&Itemid=53

In klassischen Grünlandstaaten wie Neuseeland oder Irland verfolgt man schon seit längerem eine „Low Input“ Strategie, d.h. Minimierung von Zukauffutter, Arbeitszeit und dem Einsatz von technischem Gerät. In diesen Ländern geht die Zucht auch mehr in die Richtung von langlebigen und vitalen Tieren, deren Leistung aus dem Grundfutter erbracht wird.
http://orgprints.org/8362/01/Tagungsband.pdf

- (Gast) - 22. Jun, 11:22

Eine Frage zur Landwirtschaft: Ist es erlaubt bei Regen Gülle auf seinen Feldern zu verteilen? Wenn nein, warum nicht? Hab erst heute im Großdorf so etwas beobachtet.

simon.v - 22. Jun, 21:06

erlaubt ist das schon. wenn man sich die ammonikaverluste anschaut macht es auch sinn, die gülle kurz vor einem regen oder bei trübem wetter auszubringen. bei einem schlagwetter schaut die sache dann schon wieder etwas anders aus (ausschwemmungen). generell ist die ausbrigung von gülle nur zwischem dem 15.10 und 15.02 verboten, weiters bei geschlossener schneedecke, gefrohrenem oder wassergesättigtem boden.
Landwirt (Gast) - 25. Jun, 16:33

Das sind eben keine konkreten Lösungsvorschläge. Erstens züchtet auch der Braunviehzuchtverband auf langlebige und gesunde Kühe ( no na kranke Kühe sind nicht rentabel). Zweitens sind die Strukturen in Irland und Neuseeland mit den unsrigen wirklich nicht zu vergleichen. Eine Vollweidehaltung ist bei uns auf Grund des Klimas und der Betriebsgrößen und Flächenzerspitterung nicht möglich (Winter!). Drittens bietet der Braunviehzuchtverband für Landwirte die extensivere Milchwirtschaft betreiben wollen, auch Original Braunvieh Genetik an. Nur kritisieren aber keine Lösungen zu haben ist zuwenig.

simon.v - 25. Jun, 21:30

Naja. Irland lässt sich zwar nicht direkt mit Vorarlberg vergleichen, da stimm ich dir schon zu aber es Zeigt uns doch eine interessante Alternative auf. Eine Landwirtschaft deren Ziel nicht die Maximierung der Leistungen ist, sondern die Reduktion der bei der Produktion entstehenden Kosten. In der Schweiz gibt es eine Vielzahl von Betreiben die zeigen das diese System in angepasster Form (z.B.: Stallhaltung im Winter) auch in unseren Breiten funktioniert.
Mich würde interessieren was du für Vorschläge hast oder bist du der Meinung, dass das Jetzige System zukunftsfähig ist?
Landwirt (Gast) - 26. Jun, 10:38

Das verfüttern von bis zu 12 kg Kraftfutter ist solange rentabel, solange der Getreidepreis nicht steigt. Zu hinterfragen ist der Bodenverbrauch in den Gunstlagen des Bregenzerwaldes (Betriebsgebiete). Zu hinterfragen ist auch die Förderung von im Vergleich zur bewirtschafteten Fläche überdimensionierten Stallbauten da dies zu einer markanten Erhöhung der Pachtpreise geführt hat. Die Erschließung von Alpen mit Güterwegen ist voll zu begrüßen, da diese ansonsten verbuschen würden. Das größte Problem liegt derzeit bei den Betrieben Alma und Alpenkäse GmbH. (Neubau, Genossenschaftsstrukturen mit ihren Problemen, Massenprodukt oder Nischenprodukte, prof. Führung?).

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