Perspektiven für eine vollständige Stromversorgung Europas und seiner Nachbarn aus erneuerbarer Energie.

Wurden im Rahmen der Ringvorlesung Umwelt an der TU München von Herrn Dr.-Ing. Gregor Czisch vor etwa 250 interessierten ZuhörerInnen aufgezeigt.

Die Ausgangsfrage dieses Vortrags war nicht, ob es möglich ist, Europa rein aus regenerativen Energien zu versorgen, sondern welche Lösungen bieten sich aus ökonomischer Sicht an.
Dazu ist nach Ansicht von Herrn Czisch aufgrund der Ressourcen und Klimaproblematik der zeitliche Spielraum relativ gering (10-15 Jahre). Er ist der Meinung, dass wir uns nicht von Traumtänzereien, wie z.B. der Photovoltaik (wie sie von Herrn Hermann Scheer gepriesen wird) verwirren lassen sollten. Vielmehr sei zu bedenken, dass Europa bis 2020 einen enormen Energiebedarf zu decken hat (?80GW zusätzlich?).
Die Politik verdrängt dies zu sehr und sucht den Ausweg zur Deckung des enormen Energiebedarfs im Bau zusätzlicher Kernkraftwerke. Sind diese jedoch notwendig? Herr Czisch führte dazu umfangreiche Untersuchungen für eine vollständige Energieversorgung Europas und seiner Nachbarn (speziell Afrika) durch. Unter anderem wurde gezeigt, dass die Stromkosten, wenn überhaupt, kaum über den heutigen liegen würden. Ökonomisch sinnvoll kann Energie in folgender Weise erneuerbar erzeugt werden.

Wasserkraft
Lauf-, Speicherkraftwerkstypen.
Speziell die Speicherkraftwerkstypen würde in Czischs-Modellrechnung einen wichtige Komponente darstellen, da das Gesamtvolumen in Europa derzeit den Strombedarf von einem Monat decken kann. Hervorragender Backup-Energielieferant.
Biomasse
Kosten derzeit 7,5 ct/kWh.
Können relativ schnell hochgefahren werden. Ideal als Backup-Energieversorgung.
Photovoltaik
Kosten derzeit in Europa über 60 ct/kWh, deshalb aus ökonomischer Sicht nur bedingt interessant.
Photovoltaikanlagen brauchen sonnige aber auch kühle Lagen, um gut zu funktionieren. Weltweit gesehen würden sich Gebiete im Himalaya (21ct/kWh), den Anden oder in Namibia anbieten.
Solarthermische Kraftwerke
Potenzial in Wüstengebieten, z.B. kann die Sahara den Strombedarf von 700xEU decken. Energie kann gespeichert werden (Wirkungsgrad > 90%). Der Wirkungsgrad des Kollektorenfelds ist relativ hoch (ca. 50%).
Kosten:
  • Brügge: 29 ct/kWh
  • Mauretanien 7 ct/kWh (+ 2,4 ct/kWh für den Transport)
Fallwind Kraftwerke
Bei Fallwindkraftwerken wird heiße, hochgestiegene Luft bei etwa 1200m Höhe mit Sprühregen abgekühlt. Der dadurch verursachte fallende Wind wird in Riesentürmen (Höhe 1200m, Durchmesser 400m) aufgefangen und treibt an Boden eine Reihe von Turbinen an. Als Standorte bieten sich die Westküsten von Wüstengebieten an.
Kosten:
Abu Dhabi 3 ct/kWh (+1,3 ct/kWh für den Transport)
Windkraft
Ideale Gebiete für die Windkraftanlagen sind die Westküsten von Europa und der Sahara. Das Potenzial liegt bei 120-240000 Twh.(also 150x EU15+Nowegen)
Kosten:
  • Südmarokko 3ct/kWh (+1,5 ct/kWh für den Transport)
  • Deutschland 6ct/kWh


Für die Energieversorgung Europas und seiner Nachbarn ist nach Ansicht von Herrn Czisch der Bau von HGÜ-Leitungen unbedingt notwendig. Der Bereich Südeuropa, Afrika habe die größte Priorität, da nach umfangreichen Untersuchungen vor allem in Afrika Riesenpotenzial für enerneuerbare Energie vorzufinden ist.

Aus ökonomischer Sicht das günstigste Szenario ist ein Energiemix aus 70% Windkraftanlagen (vor allem in Südmarokko), der Rest teilen sich die Wasserkraft und Biomasse.

Sein Vorschlag für den Umstieg in eine vollständige Energieversorgung Europas und seiner Nachbarn geht in drei Phasen:
  1. Einbindung von Afrika (Marokko) ins EEG, Bau von Windkraft-Parks in Südmarokko.
  2. Anbindung von Afrika-Südspanien mittels HGÜ, Ausbau der Windkraft.
  3. Ausbau des HGÜ Netzes in Europa.

weiterführende Links:
Vortrag Malente
Zur Person:
Herr Dr.-Ing. Gregor Czisch ist gelernter Landwirt. Er studierte Physik an der TU München, promovierte an der Uni Stuttgart. Seit geraumer Zeit ist er am ISET der Uni Kassel tätig und beschäftigt sich mit regenerativen Energien.

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