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Ist das Glas halb leer oder aber halb voll?

Heute abend im Wäldar-Bus Nummer 40 Richtung heimwärts (übrigens in erhöhter Lautstärke, denn ich saß weiter hinten): Drei Damen mittleren Alters bezirzen den Buschauffeur. "Kikeriki - hä häää häääääää".... Der Bus steht gerade, als ein Kleinbus (ca. 9-Sitzer) mit deutschem Kennzeichen gegen die Einbahn dem Wäldarbus so nahe kommt, daß dieser nicht mehr vorbei kann. Buschaffeur (ich erspare mir den Dialekt): "Was meint denn der eigentlich? Soo sooooooooo, der kommt da nicht mehr weiter!!!!" - Die Damen: "hi hiiii hiiiiiiii". Chauffeur zum Kleinbusfahrer: "Weißt du nicht, dass man da nicht fahren darf, dass das eine Einbahn ist mit Fahrverbot? Du musst jetzt da zurückfahren!" - Kleinbusfahrer schaut verwundert drein. Linie 40 - Chauffeur: "Ja, da sieht man gleich, daß du ein Deutscher bist" und macht das Fenster zu. Die Damen: "hooouuu houuuu hou. Hiii hiii hiiii, haaaaa haaaaa haaaa - ja, dem hast du´s jetzt gezeigt!"

...Ist der Chauffeur nun ein Mensch mit fremdenfeindlichen Veranlagungen?
...Wollte er den lustigen Damen imponieren?
...War das nur Spaß?

Nun gut. Menschen haben Vorurteile, alle Menschen. Wir brauchen Vorurteile, um uns zu schützen. Klug sind wir, wenn wir wahrnehmen, daß wir Vorurteile haben, uns dessen also bewußt sind in den jeweiligen Momenten, uns davon emanzipieren und dann entscheiden, wie wir handeln.

soviel vorweg. Ich war heute auf der Auftaktveranstaltung von okay.zusammenleben zum Thema "Mehrsprachigkeit als Ressource" im Wirtschaftspark Götzis.

Der Ansatz ganz klar: suchen wir nicht nach den Defiziten der ZuwandererInnen, orientieren wir uns an ihrem Potential und nehmen wahr, welche Fähigkeiten, Know-How, Sprachen uns mitgebracht werden!!! - und das gratis ;o))

Besonders tiefgreifend war das Einführungsreferat der Dichterin Dragica Rajcic aus Zürich, die Schule und Bildung sehr kritisch beleuchtet hat - unsere Form von Bildung schafft Ungleichheit. Wir Menschen als Marktware der immer globaler und abstrakter werdenden Weitwirtschaft.

Frau Ulrike Jessner-Schmid von der Uni Innsbruck, Linguistin, versucht die Besonderheit der Mehrsprachigkeit herauszuarbeiten:
Das ist wie eine Hürdenläuferin: die ist Sprinterin und Hochspringerin zugleich!
Kinder, die zweisprachig aufwachsen (z.B. türkisch und deutsch), können erweiterte kognitive und kreative Fähigkeiten aufweisen (klar, sofern diese natürlich gefördert werden), des weiteren haben viele "AusländerInnen" einen Einblick und Verständnis anderer Kulturen, was natürlich auch als Riesenvorteil gesehen werden kann!

Das letzte Referat - eine Studie im Auftrag der Stadt Wien - präsentierte Irene Mandl von der KMU Forschung Austria, wo es um das Arbeitskräftepotential für die Internationalisierung Wiener Unternehmen ging.



Langer Rede kurzer Sinn - ob wir der Zuwanderung insgesamt (wie viele Generationen musst du zurück, um dich als MigrantIn zu erkennen?), ob wir ZuwandererInnen als Menschen gegenüber positiv eingestellt sind und welche Haltung wir hier einnehmen, das liegt einzig und allein an uns selbst:

Siehst du das Glas halb leer oder halb voll?

Du kannst es selbst entscheiden!


;o))

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