Guatemala - Gedanken
Tajumulco
Am ersten Tag sind wir in 4 Stunden auf ca. 4000m aufgestiegen, wo wir unser Zelt aufgebaut haben. Die ganze Nacht ueber hat es stark geregnet, sodass der Zeltboden bald nass war und die Feuchtigkeit bald in unsere Schlafsaecke drang. Morgens um 5:00 haben wir dann bei Sonnenaufgang die letzten Meter zum Gipfel erklommen. Die Sicht auf die umliegenden Vulkane, Berge und Ortschaften war ueberwaeltigend. Vor allem waehrend der schlaflosen Nacht im Zelt sind mir ein paar Gedanken durch den Kopf gegangen, die ich hier ungeordnet auflisten moechte.
Open SourceBei meinen Internetcafebesuchen in Guatemala und in den Gespraechen mit Guatemalteken ist mir aufgefallen, dass von Linux und Open Source noch nicht viel zu sehen und hoeren ist. Wie ich meine leider, da Freie Software fuer ein Entwicklungsland wie Guatemala doch einige Vorteile bieten wuerde. In Guatemala regiert Windows, was wohl auch mit dem grossen Einfluss der USA zu tun hat. Fussballmannschaften werden in Guatemala entweder von Pepsi oder Coca Cola gesponsort ...
Zwei NationenIn der Tageszeitung El periodico ist mir heute ein Artikel mit dem Titel Las dos naciones aufgefallen. In diesem Artikel geht es um das grosse Missverhaeltnis zwischen Arm und Reich (den beiden Nationen in einem einzigen Staat) in Guatemala, das der Autor mit dem Zustand zu Beginn der industriellen Revolution in Europa vergleicht - einige wenige besitzen sehr viel und missbrauchen die billige Arbeitskraft, um ihren ohnehin grossen Wohlstand zu mehren. Dies fuehrt zwangslaeufig zu Konflikten - so wurde vor einer Woche eine von Bauern besetzte finca (Grossgrundbesitz) von der Polizei mit Waffengewalt geraeumt. Die traurige Bilanz dieser Raeumungsaktion (desalojo) sind 10 Tote. Auch der Praesident Óscar Berger scheint im ersten Jahr seiner Amtzeit viele Sympathisanten verloren zu haben, da er bisher keine wirksamen Massnahmen zur Umverteilung des vorhandenen Reichtums getroffen zu haben scheint.
Blutige GeschichteUnser Bergfuehrer Heizer hat uns auch erzaehlt, dass die veruebten Massaker in den letzten Jahren, vor allem unter den Militaerdiktaturen, in der Schule nicht thematisiert werden. Viele Guatemalteken wuerden von den veruebten Greueltaten nichts wissen - ausser sie setzen sich, wie Heizer, mit dieser Thematik auseinander indem sie sich aktiv darueber informieren indem sie z.B. Buecher darueber lesen. Darueberhinaus besteht laut Heizer in Guatemala keine Schulpflicht - vor allem in den aermsten Familien sind auch die Juengsten gezwungen, den Unterhalt der Familie mitzufinanzieren. Es gehoert zum taeglichen Bild, dass 6-Jaehrige mit dem Schuhputzkoefferchen nach Kundschaft suchen und fuer einen Quetzal die Schuhe williger Menschen putzen. Oder sie verdingen sich als Ayudantes (Hilfsarbeiter in den Bussen, der fuer das Kassieren und das Hinauschreien des Fahrzieles verantwortlich sind) in den vielen Minibussen ihr Geld ...

